Home » Unsere sozialen Projekte » Projekt-Archiv » Khulumani Eastrand Branch Thokoza: Frauen-Selbsthilfe (Grassroot Level)

Khulumani Eastrand Branch Thokoza: Frauen-Selbsthilfe (Grassroot Level)

Frauen-Selbsthilfegruppe aus einem Township in der Nähe von Johannesburg (Südafrika)

Das Township Thokoza, ein sozialer Brennpunkt im Osten Johannesburgs, war Schau­platz vieler blutiger Ausein­andersetzungen während der Apartheid. Nomarussia Bo­nase ist Aktivistin in Südafri­kas größter sozialer Bewegung von Opfern der Apartheid, der Khulumani Support Group. Sie gründete in Thokoza eine Gruppe mit Frauen, die um Wiedergutmachung für erlitte­nes Unrecht kämpfen und damit in der Selbsthilfe aktiv sind.

Die meisten dieser Frauen le­ben in ärmlichen Verhältnissen. Viele haben Angehörige im Apartheidskampf und/oder durch AIDS verloren. Um ihre Einkommenssituation zu verbessern, aber auch um den szoialen Widrigkeiten zu trotzen (patriarchale Strukturen, Drogenprobleme, Kriminalität, sexuelle Verbrechen), haben die Frauen sich in der Selbsthilfe organisiert. Zur Einkommensverbesserung stellen sie z.B. Bead-Schmuck für den (auch internationalen) Verkauf her (kleine Perlen, die man auffädelt).

Projekt Thokoza Selbsthilfe
Ausschnitt aus einer Videobotschaft der Organisatorin Nomarussia Bonasse an einem möglichen Standort des Selbsthilfe-Zentrums in Thokoza.

Die Selbsthilfegruppe hat als großes Ziel, ein Gesundheits- und Schutzzentrum im Township Thokoza zu errichten. Sie haben bereits aus eigener Kraft und mit selbst zusammengesammeltem Baumaterial einen Treffpunkt in einer Garage errichtet, wo die Frauen sich treffen, sprechen, ihren handwerklichen Tätigkeiten nachgehen und auch einen geschützten Raum aufsuchen können. Die Schaffung des Zentrums bedarf aber größerer finanzieller Ressourcen.

Wenn Sie die Frauen aus Thokoza unterstützen möchten, können Sie uns unter dem Stichwort „Thokoza“ spenden (hier). Wir stehen im Kontakt zu der Selbsthilfegruppe und können den Transfer der Mittel organisieren.

Fotos auf dieser Seite: © Silvester Popescu-Willigmann

Das Khulumani Gogo-Forum (Großmütter-Gruppe)

Von Nomarussia Bonase
(Übersetzung: Britta Thege)

Das Khulumani Gogo-Forum (Großmütter-Gruppe) wurde im Jahr 2011 von 60 Frauen aus dem Township Katlehong im Eastrand gegründet. Hintergrund dafür war die Erkenntnis, dass ältere Frauen – Großmütter – eine der am stärksten benachteiligten und wenig beachtesten Gruppen der südafrikanischen Gesellschaft sind.

Für nahezu ein halbes Jahrhundert verwehrten die Apartheidsgesetze schwarzen Frauen das Recht zu arbeiten, in Städten zu leben oder sich ein Einkommen zu erwirtschaften. Frauen und Kinder wurden stattdessen in ländliche Gebiete „umgesiedelt“, wo sie von der Subsistenzwirtschaft und dem Geld überleben mussten, das ihre Männer, die in den Städten und Minen arbeiteten, nach Hause schickten.

Seit zwei Jahrzehnten bzw. seit dem Ende der Apartheid nun ist es Frauen erlaubt, in den Städten zu leben. Allerdings ist es für Frauen sehr viel weniger wahrscheinlich als für Männer über ein eigenes Einkommen zu verfügen, ein Haus zu besitzen oder eine eigenständige ökonomische Absicherung zu haben. Vielmehr unterstellt die Gesellschaft, ältere Frauen seien durch ihre Ehemänner, Söhne oder andere Verwandte abgesichert oder erhielten eine kleine Rente, wenn der Mann einen Beruf ausgeübt hat. Wo aber mannigfache Schicksalsschläge dieser Annahme zuwider liefen – zum Beispiel durch den Verlust des Ernährers aufgrund von Gewalteinwirkung, Unfall oder AIDS – mussten die Frauen einen Weg finden, sowohl sich selbst als häufig auch ihre jüngsten Kinder und Enkelkinder zu versorgen.

Heute bietet das Khulumani Gogo-Forum für diese erstaunlich starken Frauen („Überlebenden“) einen Ort, an dem sie zusammen kommen, ihre Probleme teilen und nach Lösungen suchen können. Solche Lösungen reichen von bloßer Diskussionen bis hin zur Lösungssuche für die alltäglichen Lebensprobleme – dem Leben mit der Aids Pandemie, die Schulsuche für die Enkelkinder oder dem Zugang zu sauberem Wasser, Elektrizität und Sozialdiensten.

Das Khulumani Gogo-Forum hat angefangen, Nadelarbeiten und Beadwork als Einkommensquellen zu nutzen und plant eine Kooperative, um diese Arbeiten zu vermarkten und zu verkaufen.

Darüber hinaus hat sich das Gogo-Forum mit anderen Frauen in der Community zusammengeschlossen und erhebt die Stimme zu den Themen Vergewaltigung und häusliche Gewalt – Probleme, mit denen die Großmütter langjährige schmerzvolle eigene Erfahrungen gemacht haben.

Erst kürzlich veranstaltete das Gogo-Forum Workshops für seine Mitglieder zu sexueller Gesundheit und Gender, aufbauend auf dem tiefen Wissen, das diese älteren Frauen aus ihrem eigenen Leben und ihrer Kultur zu Genderfragen haben. Mittlerweile haben die Großmütter sogar damit begonnen, solche Workshops für jüngere Frauen ihrer Community anzubieten.

Seit 2012 ist das Gogo-Forum mit einer Gruppe Großmütter in Sydney (Australien) vernetzt (siehe hier). Und hier finden Sie einen weiteren Artikel von Nomarussia Bonase auf der Khulumani-Webseite (klick).